DGSF und SG beziehen Stellung: Einschnitte in der Kinder- und Jugendhilfe sind nicht „systemisch“!
Der Paritätische Gesamtverband veröffentlichte am 16. April 2026 ein internes Arbeitspapier aus dem Kanzleramt zu möglichen Einsparungen von über 8,6 Milliarden Euro bei Leistungen für Kinder, Jugendliche und Menschen mit Behinderungen. Die Fachverbände DGSF und Systemische Gesellschaft (SG) kritisieren die Verwendung des Begriffs „systemisch“ und fordern – gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe (AGJ) – mehr Transparenz und Beteiligung in der Kinder- und Jugendhilfepolitik.
Der Paritätischer Gesamtverband veröffentlichte am 16. April 2026 ein internes Arbeitspapier aus dem Kanzleramt zu möglichen drastischen Einsparungen von über 8,6 Milliarden Euro bei Leistungen für Kinder, Jugendliche und Menschen mit Behinderungen, ordnet es fachpolitisch ein und bewerten 25 exemplarisch ausgewählte Vorschläge.
Unter der Überschrift „Systemisch vor Einzelfall" fordern in dem Papier die kommunalen Spitzenverbände, dass Infrastrukturangebote gesetzlich Vorrang vor Einzelfallhilfen erhalten sollen. Der Begriff „systemisch" wird dabei als Synonym für „infrastrukturbasiert" oder „pauschaliert" verwendet. Die beiden größten europäischen systemischen Fachverbände DGSF und SG widersprechen dieser Instrumentalisierung deutlich, fordern eine fachlich korrekte Nutzung des Begriffs und nehmen zu vier Themenbereichen des Papiers kritisch Stellung.
Am 17. April 2026 hat die Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe (AGJ) in einem Zwischenruf zu dem Arbeitspapier daran erinnert, dass Kinder- und Jugendhilfepolitik transparent und unter Beteiligung der Fachöffentlichkeit und mit Familien und jungen Menschen gestaltet werden muss. Auch die systemischen Fachverbände sehen für eine konstruktive Zusammenarbeit auf der Bundesebene problematisch an, dass Stellungnahmen von den Fachverbänden zu dem vorliegenden Gesetzentwurf eines Kinder- und Jugendhilfestrukturreformgesetzes (KJHSRG) erbeten werden und parallel, ohne Beteiligung der Fachöffentlichkeiten, über wesentliche und nicht im Gesetzentwurf aufgeführte Einschnitte in die Leistungsrechte von jungen Menschen beraten wird.
DGSF und Systemische Gesellschaft schließen sich der Transparenzforderung der AGJ an.
(ba, js)
