Gesundheitsförderung und Prävention

Systemische Ansätze in Gesundheitsförderung und Prävention betrachten Gesundheit kontextsensibel, ressourcenorientiert und partizipativ. Sie stärken psychische Gesundheit, fördern gesundheitliche Chancengerechtigkeit und bieten Antworten auf psychosoziale Folgen der Klimakrise. Der Fachbereich Gesundheit und Psychotherapie entwickelt diesen Schwerpunkt weiter, vernetzt Fachkräfte, bringt systemische Perspektiven in Politik und Praxis ein und unterstützt Beteiligung sowie Kooperationen auf Bundesebene.

Gesundheitsförderung und Prävention waren immer schon relevante Tätigkeitsfelder, gewinnen aber angesichts multipler gesellschaftlicher Herausforderungen wie psychischer Erkrankungen, sozialer Ungleichheit und Klimakrise zunehmend an Bedeutung.

Systemische Ansätze bieten eine wertvolle Perspektive auf Gesundheitsförderung und Prävention, da sie Gesundheit stets im sozialen, kulturellen und institutionellen Kontext betrachten. Sie zeichnen sich durch eine hohe Kontextsensibilität aus und vermeiden die individuelle Pathologisierung von Menschen und Lebenssituationen. Statt auf Defizite zu fokussieren, richten sie sich auf individuelle wie kollektive Ressourcen aus. Ein zentrales Merkmal ist zudem der Bezug auf Mehrpersonen-Settings und Lebenswelten – etwa Familien, Schulen, Nachbarschaften oder Organisationen –, die maßgeblich zur Entstehung und Förderung von Gesundheit beitragen. Darüber hinaus sind systemische Konzepte anschlussfähig an intersektionale und diversitätssensible Ansätze, die gesellschaftliche Machtverhältnisse und Mehrfachdiskriminierung mitdenken. Partizipation und Mitgestaltung, also die Einbindung von Betroffenen und Fachkräften in Entwicklungs- und Entscheidungsprozesse, sind weitere zentrale Prinzipien systemischen Arbeitens, die eine demokratische und lebensweltnahe Gesundheitsförderung ermöglichen.

Mögliche Themenfelder im Kontext der Gesundheitsförderung und Präventionsarbeit:

  • Psychische Gesundheit stärken
    Die DGSF bringt sich aktiv in die Weiterentwicklung der Public Mental Health-Strategien ein. Frühzeitige, familienzentrierte und systemisch fundierte Präventionsangebote bieten große Potenziale, etwa im Kita-, Schul- oder Sozialraumkontext.
  • Gesundheitliche Chancengerechtigkeit
    Soziale Ungleichheit beeinflusst massiv die Gesundheitschancen: Menschen in Armut, mit niedriger Bildung, rassistischen Diskriminierungserfahrungen oder in prekären Lebenslagen haben ein deutlich höheres Risiko für chronische oder psychische Erkrankungen. Systemische Angebote können durch ihren niedrigschwelligen, lebensweltorientierten Zugang helfen, diese Gruppen besser zu erreichen.
  • Klimakrise und psychische Gesundheit
    Die Auswirkungen des Klimawandels auf die psychische Gesundheit (z. B. Klimaangst, Ohnmachtsgefühle, psychosoziale Belastungen) rücken stärker in den Fokus. Die systemische Theorie und Haltung bietet zukunftsfähige Konzepte für Resilienzförderung in von Klimastress betroffenen Lebenswelten.

Weiterentwicklung im Fachbereich Gesundheit und Psychotherapie

Die systemische Perspektive auf Gesundheitsförderung und Prävention bildet einen neuen Entwicklungsschwerpunkt im Fachbereich „Gesundheit und Psychotherapie“. Ziel ist es, systemisches Denken und Handeln gezielt in die Diskurse und Strukturen der Prävention und Gesundheitsförderung einzubringen – sowohl in der Politik als auch in der Praxis und Forschung. Dabei geht es insbesondere darum, systemische Fachkräfte miteinander zu vernetzen, intersektionale und machtkritische Perspektiven weiterzuentwickeln, systemische Fachimpulse in gesundheitsbezogene Gremien und Netzwerke einzubringen sowie Positionen und Good-Practice-Beispiele aus der systemischen Praxis sichtbar zu machen.

Wie können sich Mitglieder einbringen?

Systemische Fachkräfte in der Gesundheitsförderung und Prävention sind eingeladen, sich einzubringen! Mögliche Formen der Beteiligung:

  • Teilnahme an verbandsübergreifenden Austauschformaten und Werkstätten
  • Mitarbeit in AGs, Verfassen von Positionspapieren oder Fachpublikationen
  • Vernetzung mit anderen Praktiker*innen im Bereich Public Health, Bildung, kommunaler Gesundheitsförderung
  • Mitwirkung an der Weiterentwicklung von Fachformaten

Kooperationen und Mitgliedschaften

  • Kooperation mit der Systemischen Gesellschaft (SG)
    Die DGSF kooperiert mit der SG, um systemische Perspektiven in Gesundheitsförderung und Prävention gemeinsam weiterzuentwickeln. In gemeinsamen Austausch- und Vernetzungsformaten werden aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen wie psychische Belastungen, soziale Ungleichheit und Fragen der gesundheitlichen Chancengerechtigkeit systemisch reflektiert und bearbeitet. Ziel der Kooperation ist es, systemisches Denken stärker im gesundheitsbezogenen Fachdiskurs zu verankern und die Positionierung systemischer Fachkräfte in diesem Feld zu stärken.

  • Mitgliedschaft in der Bundesvereinigung Prävention und Gesundheitsförderung e.V. (BVPG)
    Die BVPG ist der bundesweite Dachverband zentraler Akteur*innen aus Prävention und Gesundheitsförderung und versteht sich als fach- und gesundheitspolitische Plattform zur Weiterentwicklung von Public Health in Deutschland. Sie bündelt Expertise aus Wissenschaft, Praxis und Zivilgesellschaft und wirkt an der Gestaltung gesundheitsbezogener Strategien, Konsenspapiere und politischer Positionen mit. Die Mitgliedschaft der DGSF in der BVPG ermöglicht es, systemische Perspektiven gezielt in nationale Diskurse und Entscheidungsprozesse einzubringen und systemische Fachlichkeit im Feld der Gesundheitsförderung sichtbar und wirksam zu machen.

Kontakt zum Fachbereich

Sanata Nacro, DGSF-Fachreferent*in Gesundheit und Psychotherapie
E-Mail:  sanata.nacro@dgsf.org