Leitlinienarbeit
Mit der Anerkennung der Systemischen Therapie als Richtlinienverfahren gewinnt die Leitlinienarbeit deutlich an Bedeutung. Sie eröffnet die Möglichkeit, systemische Perspektiven nachhaltig in evidenzbasierte Empfehlungen einzubringen und die medizinische wie psychotherapeutische Versorgung aktiv mitzugestalten.
Mit der sozialrechtlichen Anerkennung der Systemischen Therapie als Richtlinienverfahren in der Psychotherapie eröffnen sich neue Tätigkeitsfelder und Einflussmöglichkeiten – insbesondere in der Entwicklung und Kommentierung medizinischer Leitlinien. Diese prägen die Praxis der Gesundheitsversorgung maßgeblich, da sie evidenzbasierte Handlungsempfehlungen geben, die über Berufsgruppen hinweg angewendet werden. In den Leitlinien finden sich Empfehlungen, welche zur Entscheidungsfindung für eine angemessene Vorgehensweise von Mediziner*innen und Psychotherapeut*innen beitragen.
Warum ist die Leitlinienarbeit für die systemische Psychotherapie und Medizin bedeutsam?
Die aktive Mitwirkung in Leitliniengruppen bietet eine strategische Chance: Systemische Perspektiven – wie die Berücksichtigung sozialer Kontexte, familiärer Dynamiken und Mehrpersonensettings – können auf wissenschaftlicher Ebene verankert und strukturell in die gesundheitliche Versorgung integriert werden.
Die DGSF setzt sich gezielt dafür ein, dass systemisch qualifizierte Fachkräfte in relevanten Leitliniengremien vertreten sind. Besonders wichtig ist dies in Bereichen wie:
- Behandlung psychischer Störungen
- Familienbezogene Interventionen
- Kinder- und Jugendhilfe
- Chronische Erkrankungen mit psychosozialer Komponente
- Interdisziplinäre Versorgung
Systemische Beteiligung stärkt nicht nur die Sichtbarkeit, sondern auch die Anerkennung systemischer Verfahren – mit direktem Nutzen für Patient*innen, Therapeut*innen und Institutionen.
Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Stärkung der systemischen Perspektive in evidenzbasierten Empfehlungen: Wenn z. B. Elternarbeit, Angehörigenarbeit oder Therapie im Mehrpersonensetting in Leitlinien genannt werden, kann dies den Zugang zur Systemischen Therapie erleichtern und ihre Anwendbarkeit in der Praxis fördern.
Was sind AWMF-Leitlinien?
AWMF-Leitlinien fassen den aktuellen Stand der klinischen Forschung zusammen und dienen der interprofessionellen Orientierung im Behandlungsalltag. Sie geben Empfehlungen zur Auswahl und Kombination geeigneter Therapieverfahren. Eine systemische Beteiligung stellt sicher, dass z. B. auch Mehrpersonensetting, Elternarbeit oder ressourcenorientierte Verfahren empfohlen werden können – jenseits rein pharmakologischer Ansätze.
Wie funktioniert die Mitarbeit an einer Leitlinie?
- Die DGSF kann gemeinsam mit der SG systemische Vertreter*innen in Leitliniengruppen benennen.
- Die Arbeit umfasst die Teilnahme an Konsensuskonferenzen (i. d. R. 1–2 × jährlich) sowie schriftliche Rückmeldungen im Umlaufverfahren.
- Eine Approbation ist keine Voraussetzung – wichtig sind systemische Qualifikationen und Expertise. Auch Wesentlich ist die Bereitschaft mit wissenschaftlichen Studien und Forschungsergebnissen zu arbeiten, die die Wirksamkeit systemischer Therapie belegen.
- Die DGSF unterstützt Beteiligte bei Fragen und mit Netzwerkkontakten.
- Die Mitarbeit wird mit einer kleinen Aufwandsentschädigung honoriert.
- Beteiligte bringen ihre Expertise ein, erhalten Einblick in aktuelle Entwicklungen und knüpfen wertvolle Kontakte zu Fachgesellschaften und Entscheidungsträger*innen.
Interessiert an der Mitarbeit?
Um systemische Vertreter*innen gezielt in Leitlinienprozesse vermitteln zu können, baut die DGSF derzeit einen Pool potenzieller Mitwirkender auf. Hierzu dient der Fragebogen zur Mitwirkung an der Leitlinienarbeit.
Kontakt zum Fachbereich
Sanata Nacro, DGSF-Fachreferent*in Gesundheit und Psychotherapie
E-Mail: sanata.nacro@dgsf.org
