Kinder- und Jugendhilfe: DGSF und SG kritisieren Umdeutung des Systemik-Begriffs
Mit einem teiloffenen Brief an das Deutsche Institut für Urbanistik (difu) stellen DGSF und Systemische Gesellschaft (SG) klar: Systemische Praxis orientiert sich am individuellen Bedarf junger Menschen – nicht an Standardlösungen. Beide systemischen Verbände kritisieren zudem eine aus ihrer Sicht irreführende Verwendung des Begriffs „systemisch“ in der Debatte um die Kinder- und Jugendhilfereform.
Im Rahmen eines neuen Kinder- und Jugendhilfestrukturreformgesetzes (KJHSRG) sind wesentlich Einschnitte bei den Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe geplant. Die DGSF hat sich mit zwei Stellungnahmen dazu positioniert.
Das Deutsche Institut für Urbanistik (difu) bewirbt derzeit eine digitale Veranstaltung am 6. und 7. Juli 2026 unter dem Titel „Systemische Lösungen in der Kinder- und Jugendhilfe“. In einem teiloffenen gemeinsamen Brief an das difu kritisieren die DGSF und die Systemische Gesellschaft die Verwendung des Begriffs „systemisch“ für Konzepte, die vor allem auf pauschalierte, infrastrukturbasierte und kostengünstige Angebote setzen.
Die beiden Fachverbände machen darauf aufmerksam, dass systemisches Arbeiten im Sozialraum bedeutet, vom konkreten Bedarf des jungen Menschen ausgehend, die für ihn relevanten Systeme mit ihren Wechselwirkungen in den Blick zu nehmen: Familie, Peers, Kita, Schule sowie die unterschiedlichen Unterstützungs- und Hilfesysteme. Systemische Praxis basiert auf individueller Bedarfsermittlung, Beteiligung der Betroffenen und der Entwicklung passender Hilfen im jeweiligen sozialen Kontext - und nicht auf vorgegebenen Standardlösungen. Dazu gehört ein gutes Zusammenspiel von qualifizierten, starken Regelleistungen in Kita/Schule und den Hilfen zur Erziehung.
Das derzeit diskutierte gesetzliche Vorranggebot infrastruktureller Angebote und eine Standardisierung von Entscheidungswegen widersprechen zentralen systemischen Grundannahmen.
(ba, js)

