Welttag der Suizidprävention: „Deine Geschichte ist nicht zu Ende“

Jedes Jahr sterben in Deutschland über 10.000 Menschen durch Suizid. Eine Kampagne soll anlässlich des bevorstehenden Welttags der Suizidprävention dazu beitragen, Suizid zu enttabuisieren, auf Suizidalität aufmerksam zu machen, Wissen zu vermitteln, Vorurteile abzubauen sowie Betroffene und Angehörige zu stärken. Die DGSF schließt sich dieser Kampagne an.

Jedes Jahr sterben in Deutschland über 10.000 Menschen durch Suizid - mehr als durch Verkehrsunfälle, AIDS, illegale Drogen und Gewalttaten zusammen. Unter den 10- bis unter 25-Jährigen ist Suizid die häufigste Todesursache. Der Welttag der Suizidprävention am 10. September erinnert alljährlich daran, dass Suizid eines der größten, aber oft tabuisiertes Phänomen unserer Zeit ist. Er macht zugleich deutlich: Suizidprävention wirkt. Wenn wir hinschauen, zuhören und handeln, können wir Leben retten.

Unter dem Motto „Deine Geschichte ist nicht zu Ende“ hat die Arbeitsgruppe regionale Netzwerke des Nationalen Suizidpräventionsprogramms (NaSPro) eine bundesweite Kampagne zum Welttag der Suizidprävention initiiert. Sie wurde im Rahmen des Seminars Medienpraxis an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg entwickelt und realisiert. Die Kampagne soll Menschen in suizidalen Krisen, Angehörige sowie die breite Öffentlichkeit erreichen. Sie macht Hilfsangebote in verschiedenen Medien sichtbar, regt zum Gespräch an und vermittelt die zentrale Botschaft: Suizidprävention ist möglich.

Mit Plakaten, Social-Media-Materialien, Podcast- und Radioelementen sowie Bausteinen für Printmedien sollen Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen erreicht werden - über die Medien, die in ihrem Alltag tatsächlich vorkommen. Die Materialien können von Redaktionen, Beratungsstellen, Kommunen, Netzwerken, Einrichtungen und weiteren Interessierten genutzt und in eigene Aktivitäten zum Welttag eingebunden werden.

Wie im vergangenen Jahr finden auch 2026 zudem bundesweit Veranstaltungen rund um den Welttag statt. Diese werden u. a. von Beratungsstellen, regionalen Netzwerken, kirchlichen und kommunalen Akteuren sowie zivilgesellschaftlichen Initiativen getragen. „Suizidprävention beginnt nicht erst in der akuten Krise“, sagt Georg Fiedler von der Deutschen Akademie für Suizidprävention und dem Nationalen Suizidpräventionsprogramm. „Sie beginnt dort, wo Menschen aufeinander zugehen, wo schwierige Themen besprechbar werden und wo Hilfen sichtbar und erreichbar sind.“

Suizidale Menschen zeigen oft Warnsignale wie sozialer Rückzug aus dem Freundes- und Familienkreis, eine deutliche Verschlechterung des psychischen Zustands oder auch Veränderungen von Stimmung, Schlaf und Verhalten. Häufig äußern Betroffene auch direkt ihre Suizidgedanken oder deuten verdeckt darauf hin. 

Weitere Warnhinweise wie ein verändertes Aussehen oder Gewohnheiten können ebenfalls bedeutend sein, auch wenn diese nur subtil sind. Deshalb ist Achtsamkeit gefragt. Fachleute betonen, dass Angehörige im Verdachtsfall nicht davor scheuen sollten, Betroffene anzusprechen, denn häufig kann ein Gespräch entlastend wirken. Mitmenschen sollten hierbei aus ihrer eigenen Wahrnehmung heraus sprechen und auf konkrete Hilfsangebote verweisen. Wichtig sei aber, dass auch Angehörige ihre Grenzen nicht überschreiten und bei Bedarf auf professionelle Hilfsmöglichkeiten zurückgreifen. 

Suizid und Suizidversuche sind kein Ausdruck einer freien Entscheidung. Sie entstehen meist aus schwerer psychischer, sozialer oder körperlicher Not. Echte Prävention bedeutet, diese Situation anzuerkennen und Betroffene nicht allein zu lassen. Der Welttag der Suizidprävention erinnert daran, dass hinter jeder Zahl ein Mensch steht mit einer Geschichte, die weitergehen kann. 

Die DGSF ist Kooperationspartnerin des Nationalen Suizidpräventionsprogramms (NaSPro). Martina Nassenstein ist DGSF-Beauftragte in der Allianz für Suizidprävention und steht bei weiteren Fragen zur Verfügung.

(js)

Weitere Informationen

Hier finden Sie Hilfe in einer suizidalen Krise: Bundesweites Verzeichnis von Beratungsstellen zur Suizidprävention