Verspielte Freiheit – zwischen Experiment und Verantwortung

Ein Rückblick auf die Changetagung am 29./30. Januar 2026 in Basel - von Jakob Bickeböller

Was bedeutet Freiheit – und was geschieht mit ihr in Organisationen?

Mit dieser Frage beschäftigte sich die Changetagung am 29. und 30. Januar 2026 in Basel, die unter dem Titel „Verspielte Freiheit – In Autonomie und Verantwortung Zukunft gestalten“ stattfand. Rund 300 Teilnehmende aus Beratung, Organisationsentwicklung, Wissenschaft und Praxis kamen zusammen, um über Freiheit als organisationales, gesellschaftliches und individuelles Thema zu diskutieren.

Schon der Titel der Tagung war bewusst doppeldeutig gewählt. „Verspielte Freiheit“ lässt sich einerseits als Einladung verstehen: Freiheit als lustvolles Experimentieren, als neugieriges Ausprobieren neuer organisationaler Möglichkeiten. Gleichzeitig kann „verspielt“ auch eine andere Bedeutung tragen – nämlich die einer Freiheit, die aufs Spiel gesetzt wurde oder verloren gehen kann.

Zwischen diesen beiden Lesarten bewegte sich die Tagung: zwischen Aufbruch und Reflexion, zwischen Experiment und Verantwortung.

Freiheit zwischen Individuum, Organisation und Gesellschaft

Das Programm griff diese Ambivalenz aus unterschiedlichen Perspektiven auf. Im Zentrum stand die Frage, wie sich individuelle Freiheit innerhalb organisationaler Strukturen entfalten kann – und welche gesellschaftlichen Rahmenbedingungen sie ermöglichen oder begrenzen.

Dabei wurde deutlich: Freiheit ist kein abstrakter Wert. Sie entsteht im Zusammenspiel von Individuum, Organisation und Gesellschaft und zeigt sich in konkreten Handlungsspielräumen ebenso wie in der Übernahme von Verantwortung.

Die Tagung bot dafür eine große Bandbreite an Formaten – von wissenschaftlichen Vorträgen über Panels bis hin zu experimentellen Workshops. Gerade diese Vielfalt wurde von vielen Teilnehmenden als besondere Qualität wahrgenommen:

„Ich finde, das war eine gute Mischung aus Vertrautheit, Nähe und gesehen werden – gemischt mit Fachlichkeit, klaren Strukturen und inspirierenden Vorträgen und Workshops“, so ein Teilnehmer.

Neben den fachlichen Impulsen prägten auch die Gespräche zwischen den Sessions die Atmosphäre der Tagung. Diskussionen setzten sich in Pausen, beim gemeinsamen Essen oder in spontanen Begegnungen fort – getragen von einer spürbaren Neugier und Lust am Austausch.

Beiträge aus dem Netzwerk der DGSF

Die DGSF war offizielle Kooperationspartnerin der Changetagung 2026. Mehrere Verbandsmitglieder beteiligten sich mit Panels und Workshops am Programm. Hierzu zählten Beiträge von

  • Heiko Kleve – Vom Ego zur Relation – Eine Ethik zur systemischen Freiheit in sieben Imperativen
  • Barbara Kuchler – „Leb deinen Traum!“ Die Schattenseite der Freiheit, zu werden, was man will
  • Torsten Groth und Timm Richter – Freiheit und Struktur – Von der Trennung des Verbundenen zur Verbindung der Getrennten
  • Jakob Bickeböller – „Arbeit, die wir wirklich, wirklich wollen!“ New Work – ein Rationalitätsmythos?

Auch in den Workshops waren DGSF-Mitglieder vertreten, etwa

  • Maurice Malten und Peter Wattler-Kugler mit Organisationsaufstellung: Freiheit & Verantwortung (er)spüren
  • sowie Simone Maier-Hanemann mit dem Workshop Wer gibt den Ton an und wer den Takt vor?

Gerade die experimentellen Formate eröffneten Erfahrungsräume, in denen organisationale Dynamiken nicht nur analysiert, sondern auch unmittelbar erlebt werden konnten. Eine Teilnehmerin beschreibt ihre Eindrücke wie folgt:

„Für mich war mein Experiment ein voller Erfolg. Der Austausch am Ende der freien Improvisation zeigte deutlich, dass die Methode als Intervention zur Analyse hilfreich sein kann.“

Systemische Perspektiven auf Freiheit

Viele Beiträge der Tagung machten deutlich, dass systemische Perspektiven Freiheit nicht als rein individuelles Phänomen verstehen. Freiheit entsteht vielmehr im Zusammenspiel von Beziehungen, organisationalen Strukturen und gesellschaftlichen Bedingungen.

Ein Teilnehmer formulierte diese Erfahrung so:

„Die Tagung in Basel war für mich ein Beleg dafür, dass systemische Perspektiven weit über methodische Spielereien hinausgehen: Sie sind ein Beitrag zur Emanzipation und zum mündigen Bürgertum.“

Gerade darin lag für viele Teilnehmende der besondere Mehrwert der Tagung: komplexe Zusammenhänge zu reflektieren und gleichzeitig Raum für Begegnung und Austausch zu schaffen.

Ausblick

Die Changetagung 2026 hat gezeigt, wie produktiv es sein kann, Freiheit in ihrer Mehrdeutigkeit ernst zu nehmen. Zwischen Experiment und Verantwortung entstehen Fragen, die weit über Organisationen hinausreichen. Und vielleicht gehört genau das zur Tradition der Changetagung: dass sie nicht nur Antworten liefert, sondern neue Fragen eröffnet. Bleibt also die spannende Frage: Welches Thema wird die Changetagung 2028 aufgreifen?

Bericht: Jakob Bickeböller