Hingeschaut statt Weggeschaut: Was tun, wenn es schiefläuft?
Die DGSF lud am 2. März 2026 zu einer kostenfreien Online-Fachtagung im Rahmen eines politischen und fachlichen Qualitätsaufrufs des Verbands für die ambulanten aufsuchenden Erziehungshilfen in Familien ein. Im Fokus des 5. Fachtags in der Reihe „Hingeschaut“ stand die Frage, welchen Einfluss das Verhalten von Fachkräften in der Arbeit mit den Familien auf die Qualität von Hilfen hat.
Tagungsreflexion des Fachtags „Hingeschaut statt Weggeschaut: Was tun, wenn es schiefläuft?“ am 2. März 2026
Am 2. März 2026 fand mit über 250 Teilnehmenden der sehr gut besuchte 5. Online-Fachtag in der Hingeschaut-Reihe der Qualitätsoffensive der DGSF zu den ambulanten Erziehungshilfen statt. Der inhaltliche Schwerpunkt lag in diesem Jahr auf schwierigen Prozessen mit Familien, den Anteilen von Helfersystemen und den Potentialen von Fachkräften, Einfluss zu nehmen und Eltern und junge Menschen im Boot zu halten.
Marie-Luise Conen stellte in ihrem inspirierenden Vortrag „War da mal was? Ansprüche, Realitäten und Möglichkeiten in der Familienarbeit“ ihre Expertise aus über 40 Jahren praktischer aufsuchender Familientherapie zur Verfügung und konnte die Aktualität „vergangener“ Ideen, gegenwärtige Hindernisse und die Notwendigkeit von Veränderungen auf der Helferebene deutlich machen. Besonders Anschlussfähig war ihre von Salvador Minuchin übernommene Metapher des Familientanzes, den es in der aufsuchenden Arbeit zunächst zu verstehen gilt, bevor er durch kleine neue Probeschritte langsam im Tempo der Familie geändert werden kann.
In einem 2., die Teilnehmenden engagiert mitnehmenden, Vortrag, stellte Mike Seckinger, Deutsches Jugendinstitut (DJI), die Frage „Was brauchen Eltern und Kinder von den ambulanten Hilfen?“ aus Sicht der Wissenschaft. Überraschenderweise erscheint das Wissen darüber wenig systematisiert. Vielfach wird nur „um die Ecke“ über die Perspektive von Fachkräften erfasst, was Kinder und Eltern denn brauchen könnten. Seckinger stellte einzelfallübergreifende Aussagen auf der Basis von Forschungsergebnissen vor und Bezug auch deutlich fachpolitisch Stellung, u.a. dahingehend, dass die Folgen von Armut nicht mit pädagogischen Maßnahmen abgeschafft werden können.
Der Fachtag fand trialogisch zwischen Praxis, Wissenschaft und Familien statt. Relevante Fragen wurden gemeinsam mit Eltern und jungen Menschen erörtert, die in berührender Weise über ihre Erfahrungen mit aufsuchenden Hilfen berichteten und Empfehlungen für hilfreiches Handeln von Fachkräften geben konnten.
In Workshops waren Fachkräfte und Familien gleichermaßen eingeladen, ihre Erfahrungen mit schieflaufenden Hilfedynamiken und ihren jeweiligen Einflussmöglichkeiten zu teilen.
Die Aufzeichnung der Vorträge und des Fishbowls zu den Ergebnissen der Workshops wird in Kürze hier veröffentlicht.
Hinweis und Einladung:
Wenn Sie aufsuchende Erziehungshilfen erhalten haben, freuen wir uns über anonymisierte Erfahrungsberichte. Bitte nennen sie keine Namen, Träger und Städte. Es ist geplant, einen Erfahrungspool zusammenzustellen, der für Fortbildungen von Fachkräften genutzt werden kann. Bitte senden Sie Ihren Bericht an Birgit Averbeck, DGSF-Fachreferentin Jugendhilfe/ -politik und Soziale Arbeit (birgit.averbeck@dgsf.org).
Birgit Averbeck
Dokumentation des Fachtags
Alle Unterlagen sowie die Aufzeichnungen der Beiträge des Fachtags stehen ab sofort online zur Verfügung: Infos zu den Referierenden, weiterführende Materialien sowie Videoaufzeichnungen der Vorträge und ausgewählter Programmpunkte sind hier abrufbar.


